MAN denkt darüber anders - MAN hat das Gefühl - MAN spricht nicht darüber - MAN tut so etwas nicht - und wo bleibe ICH dabei?
Stecke ich mitten drin in dieser MAN-Moral und Massen-Realität, oder darf ich mich herausnehmen und mein eigenes Denken, Fühlen und Tun darstellen - ganz so, als ob ich unabhängig und eigenständig wäre? Ist das nicht vermessen? Ist das nicht egoistisch und überheblich? Oder ist das richtig, dass ich andere für mich sprechen lasse, dass sie mich in dieses MAN mit hineinpacken, ohne dass sie überhaupt wissen, was ich denke und fühle? Ist dazu nicht erst notwendig, dass ich - da ich über mich selbst am besten Bescheid weiß - von mir und meinen Problemen erzähle? Sicher, ich habe auch schon oft - zumindest am Anfang meiner Gruppenbesuche - meinen Beitrag mit MAN geleistet. Ich blieb unangreifbar, weil ich Allgemeingültiges sagte; weil ich mich hinter anderen versteckte und weil ich der Allgemeinheit meine Gedanken, Wünsche und Bedürfnisse unterschob. Es erforderte keinen Mut und keinen Beweis meiner Worte durch Taten. Es war bequem. Aber darauf waren schon andere Gruppenfreunde gekommen, und die sagten mir, dass sie gerne etwas von MIR und nicht von MAN erfahren würden. Nun wurde es schwer; denn nun musste ich prüfen, ob ich das, was ich sa sagte, auch sagen wollte; ob es meine Gedanken darstellte, meine Gefühle ausdrückte und mein Tun wahrheitsgemäß erläuterte; dass ich nicht nur redete, um mich, zubeteiligen oder zu gefallen. Es war schwierig, etwas auszusprechen, was mich |
selbst betraf. Zunächst fehlte die Bereitschaft und dann das Vermögen, rückhaltlos ehrlich zu sein. Heute spreche ich gerne von mir. Mit dem Sprechen nehmen meine Gedanken und Gefühle Gestalt an und werden durch das Gehör überprüft. Allerdings ist für mich wichtig, dass ich nicht sprechen muss. Ich will es tun können, wenn ich mag, und muss schweigen können, wenn ich zum Reden kein Bedürfnis habe oder Gedanken und Gefühle noch nicht reif sind, um angesprochen zu werden. Von mir selbst zu sprechen ermöglicht mir, mir meine Realität und der Unterschied meiner Realität zu der anderer "plastisch" darzustellen. Sie ist nicht mehr so verschwommen wie vieles Ungesagte. Ich und andere können etwas damit anfangen. Und so, wie ich das Gefühl habe, dass ich wahrhaftiger bin, wenn ich von mir spreche, habe ich in den Gesprächen mehr davon, wenn auch die anderen von sich sprechen und nicht von MAN oder von meiner Person - es sei denn, ich wäre mit dieser Rückmeldung einverstanden. Rückmeldungen sind für mich sehr wichtig. Wertvoll werden sie aber erst dann, wenn der andere nicht sagt, was ich tun oder lassen soll, sondern was er denkt, sieht, fühlt, wünscht oder hofft. Ich kann damit nur etwas anfangen, wenn sie in der Ich-Form gegeben werden, wenn ich fühle, dass sie persönlich und echt sind. Wie Du mir, so ich Dir. Auch ich will bemüht sein, Dir persönlich meine Gedanken und Gefühle und meine Wahrnehmungen Über Dein Verhalten, Deine Gefühle und Darstellungen ohne Wertung widerzuspiegeln. Ich glaube, das allein ist ehrlich. Ich denke, auch Du kannst damit etwas anfangen. Aber ich denke auch: Am besten ist, ich fange bei mir an. Friedrich
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