WIE GEHT ES MIR HEUTE?

WIE FÜHLE ICH MICH JETZT?

Diese Frage stellen wir uns am Anfang unserer Gruppenstunde und versuchen, sie zu beantworten. Oft ist das recht einfach. Die Skala reicht von sehr gut über mittelprächtig bis schlecht, und meistens haben wir auch gute Gründe dafür. Es kann allerdings vorkommen, dass ich gar nicht genau weiß, wie ich mich fühle. Mir geht 's irgendwie halb und irgendwo dazwischen. Warum? Wenn ich das wüsste! Auch die Ursachen sind verschwommen und unklar. Der Zustand ist zumin­dest nicht ganz befriedigend. An einem anderen Abend stelle ich fest, dass ich ge­reizt bin und ner­vös. Es gibt kei­nen ersichtlichen Grund dafür. Alles verlief nor­mal, ging glatt, es gab keinen Arger. Und dennoch - ich hab ein­fach schlechte Laune. Dann wieder kommt ein Tag, an dem das Schicksal zwar nicht gerade zuschlägt, aber doch mit klei­nen und größeren Steinen schmeißt. Kaum etwas klappt, ziemlich viel geht schief. Ich frage mich - und mir geht 's gut, ich fühle mich wohl. Trotz allem. Es ist erstaunlich, was ich da bei mir entdecke, wenn ich rich­tig hinschaue. Manchmal klärt sich sogar ein "unerklärlicher" Grund, oder ich finde eine "un­erfindliche" Ursache.




Und es ist bemerkenswert, was ich alles spüre, wenn ich mit mir Kontakt aufnehme. Erst dann bin ich nämlich konzentriert auf mich und aufnahmebereit für die anderen9 und was ich sage, ist eigen­ständig und echt. Ich brauche nicht über alles zu sprechen. Ich entscheide und wäh­le aus, was ich mitteilen möchte. Das jedoch sollte ehrlich sein. Dieses erste Rundgespräch darü­ber, wie wir uns fühlen, wird oft als "Blitzlicht" bezeichnet. Und jeder weiß, was es damit auf sich hat: Die Szene wird hell, dunkle Winkel werden ausgeleuchtet, alles ist - wenigstens für einen Augen­blick - klar zu erkennen. Und so sollte es auch für mich sein, wenn ich mir die Frage stelle, wie es mir geht. Denn die Antwort ist wichtig für mich, weil ich für mich wichtig bin. Warum frage ich mich das eigent­lich nicht viel öfter

Hanne K.